Mein Interesse an der Kunstgeschichte ist rege, heiter und beständig

Die Biennale der Zeichnungen präsentiert Matthias Egersdörfer

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„Mein Gombrich“, ca. 400 Zeichnungen mit Bleistift, 10 x 16 cm, Foto: Natalie de Ligt

Das Ausstellungsprojekt „Biennale der Zeichnungen“ in Nürnberg, Fürth, Erlangen, Schwabach und Zirndorf präsentiert Zeichnungen, die mehr sind als nur ein Erzeugen von Linien auf Papier. Zeichnung kann Skulptur sein und Rauminstallation, Selbstbefragung, Prozess oder Relikt einer Aktion – einfach jedes lineare Geschehen. Die mehrwertzone stellt im Laufe der nächsten Wochen in Gastbeiträgen einzelne KünstlerInnen der Biennale der Zeichnungen im Interview vor. In der Galerie Bernsteinzimmer werden ab 15. Januar 2017 Renate Sellesnick, Bastian Spiegel und Matthias Egersdörfer ihre Arbeiten präsentieren. Letzerer musste Kunstkollege Anders Möhl im folgenden Interview Rede und Antwort stehen.

 

Herr Egersdörfer, Sie studierten in der Nürnberger Akademie der bildenden Künste bei Professor Peter Angermann. Haben Sie das Personenregister der Akademie überhaupt komplett durchgelesen oder sind Sie gleich bei A wie Angermann hängengeblieben? Sind Sie eher faul?

Ich habe mich mit meiner Mappe ordnungsgemäß zuerst bei Professor Peter Angermann vorgestellt. Seine künstlerische Position war mir vertraut. Zudem war ich vor jenem Zeitpunkt schon bei einigen seiner musikalischen Interventionen zugegen gewesen. Insofern hätte ich mich auch bei ihm beworben wenn er Zwangerschmidt geheißen hätte.
Faul bin ich gerne, nachdem ich etwas geleistet habe. Gerne nach einer üppigen Mahlzeit.

Ein gewisses Maß an Fleiß ist Ihnen nicht abzusprechen. Etwa 400 Zeichnungen nach E.H. Gombrich, dem Giganten der Kunstgeschichte. Ich gehe mal davon aus, dass Sie ansonsten in der Prüfung durchgefallen wären. Ich frage mich indes, interessiert Sie die Kunstgeschichte überhaupt? Sind Sie deshalb eine Ehe mit Frau Deligt, ehemaliger Chefin verschiedener bedeutender Kunst-Institutionen, eingegangen?

Mein Interesse an der Kunstgeschichte ist rege, heiter und beständig zu nennen. Ich verehre E.H. Gombrich und wollte ihm mit meiner Arbeit auch ein klein wenig huldigen. Gombrichs Sprache und die Art, wie elegant er die Geschichte der Kunst erzählt, haben mich schon beim ersten Lesen berauscht. Sein Buch ist steter Begleiter, wenn ich Kunst betrachte.

Aber zurück zu Ihrem Studium. Ihre einstigen Kommilitonen gieren nach Kunst-Preisen. Sie jedoch heimsen einen Kabarett-Preis nach dem anderen ein. Was machen Sie richtig, die Anderen falsch?

Meine Kommilitonen malen in aller Ruhe und wenn sie fertig sind, gehen sie an die Öffentlichkeit. Sie können die Betrachter ihrer Kunst dabei beobachten. Ich probe in aller Ruhe und dann sage ich Sachen in der Öffentlichkeit, und wenn ich alles gesagt habe, bin ich fertig. Kunst und Kabarett haben Vorteile und Nachteile. Der Applaus bei einem Kabarettabend ist meist größer als bei einer Vernissage. Wieder etwas anderes ist es, wenn man einen Stierkampf gezeichnet hat und das Bild dann das halbe Leben einer Familie lang über deren Sofa hängt.

… und ein Letztes: als Tatort-Kommissar haben Sie doch genug Ärger an der Backe. Warum stellen Sie im Bernsteinzimmer aus? Profilneurose? Blödheit? Güte?

Zum richtigen Zeitpunkt hat mich eine Person, die ich als angenehm empfinde, gefragt, ob ich diese Ausstellung machen möchte. Dazu kommt noch, dass ich das Bernsteinzimmer sehr mag. Allein die Schnittchen. In dieser Mischung neige ich gerne zu Unüberlegtheiten.

Gastbeitrag der Galerie Bernsteinzimmer, Nürnberg

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Rainer Hertwig am 19. Dezember 2016

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